Bilder der Ausstellung und Vernissage (Auswahl)



Linie  -  Skulptur  -  Plastik          

Hildegard Esslinger mit Gerd Wedler                                     
Ausstellung am 8. November 2011            

Ausschnitte aus der Einführungsrede von Ricarda Geib  MA.

 

Die Kunst dieser Ausstellung ist die Kunst eines Dialogs. Hildegard Esslingers fragile Linienzüge begegnen den enigmatischen Gestaltungen von Gerd Wedler. Malerei und Skulptur, Prägnanz und Entgrenzung werden ineinander verwoben und inszenieren subtil den Sturz des Realen.

 

Lautlose Stille herrscht in den Bildern Hildegard Esslingers, Sichtirritationen kennzeichnen das Werk der Künstlerin, die an der Stuttgarter Akademie studierte und Stipendiatin der Kunststiftung war. Perspektivische Strukturen zerbrechen oder enden anarchisch innerhalb vermeintlich logischer Struktur. Im Taktschlag der Linien scheinen sie wie ein Bruch, ein Riss in der Welt des Sichtbaren. Esslingers Gemälde sind Zeichnungen, Zeichnungen in Öl. Sanft gefurchte Linien, mit dem Pinselschaft weich in die noch feuchte Farbe eingraviert begegnen sich Kreis und Quadrat, gehen vor und zurück, bilden Haupt und Nebenwege. Manche offenbaren sich als scheu suchende Linien, die nur andeuten und nicht konkret zu werden wagen. Sie schwingen in zarten Furchen und scheinen aller Zeit enthoben, treiben im Kollektiv und lassen das Auge nicht zur Ruhe kommen. Andere triumphieren als selbstbewusste, nachdrückliche, feste Linien, sind kurz und wirken ungeduldig – in „eiligem Geschäftsgang“. Unsichtbare Kräfte dynamisieren den Bildraum, messen sich an strenger Ordnung, bäumen sich auf und geben sich hin. Das Chaos und seine Bündelung bestimmen die Bildwelt Hildegard Esslingers.

 

Präzision und Proportion sind zentrale Begriffe für Gerd Wedler. Seine ästhetische Strategie zielt auf Dichte, Spannung und Prägnanz. Eleganz und Leichtigkeit kennzeichnen sein künstlerisches Schaffen. Der Künstler ist von Haus aus Architekt – und das Gewachsene, Organisch-Schwellende waren schon früh in seinem Werk angelegt. Wedler experimentiert mit der Spannung von Form und Nicht-Form, von erkennbarem Objekt und organischer Auflösung in die Abstraktion. Sein Werk wird von intuitiven Entscheidungen geprägt. Für Wedler ist das Material Substanz, Widerstand und Inspiration, aus denen sich das Kunstwerk formt – ob nun Weide, Kiefer, Akazie, Beton, Feuerstein, Bronze, Gips oder Stahl: „wahrlich liegt die Kunst in der Natur und wer sie kann herausreißen, der hat sie „ (Dürer).

 

Die sinnliche Kraft seiner „bewohnbaren Wohnskulptur“ in Albstadt-Ebingen ist in ihrer plastischen Fülle eine Hommage an die Natur und erzählt von dem Wunsch des Künstlers, sich mit eigenen Schöpfungen zu umgeben, mit seiner Kunst zu leben. Elegante Formen aus lichtem Weiß öffnen und dehnen sich, pulsieren wellenförmig oder enden in molluskelhaft weichen Schwüngen. Hier wird die Virtuosität seiner„Sprache“ offenbar. Seine meisterhaften Metamorphosen, seine plastisch-prägnanten Visionen enthüllen Mäander einer zutiefst poetischen Phantasie. Poetische Gestaltungsprozesse bringen Ungesehenes, Verborgenes, Erahntes zur Erscheinung. Gerd Wedler, der es ablehnt, ausgefahrenen Gleisen der Tradition zu folgen, sehnt sich danach, frei von den Attitüden des Kunstmarktes, aus der Kunst der Metamorphose ein Erlebnis des Staunens zu machen.