Sigita Laubengaier: HEIMSUCHUNGEN; Malerei und Skulpturen (10.9. - 25.9.2011)

 

Sigita Laubengaier:


"Seit frühester Jugend beschäftige ich mich mit Zeichnen und Malen.

Neben verschiedenen ausgeübten Tätigkeiten brachte ich viele Zeichnungen als Ausdruck innerer Erregungen zu Papier. Spontan, ohne inhaltlich vorgefassten Plan vollzog sich die kreative Arbeit. Oft hatte ich das Gefühl, dass mein Alltag für mich zur Routine wurde, die die Freude am kreativen Arbeiten hemmte. Ich denke, dass auch das Zunehmen des Bewusstwerden eine Rolle spielte, mich seit Anfang 2004 ganz der Kunst zu widmen.

Für mich ist mein Werk und Leben gewissermaßen deckungsgleich, Kunst ist für mich eine Art zu leben, bei der man eigenes inneres Territorium durchleben muss, wie auch das der äußeren Welt. Das Malen ist für mich ein geistig-seelischer aber auch ein körperlicher Akt, der alle meine Kräfte erfordert, mich aber auch zutiefst erfüllt.

Meine Bilder entstehen ohne Vorbild oder Modell, auch ohne genaue Absicht. Ich fertige keine Entwürfe oder Skizzen, sondern arbeite unmittelbar und direkt aus dem Unterbewussten heraus.

Das Gesehene wiederzugeben ist nicht mein Ziel, sondern die Balancen und Zusammenhänge in einem fragilen und gefährdeten Dazwischen, einem Schwebezustand zwischen Gewusstem und Geahntem, zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Geist und Materie zu finden. Inhalte meiner Bilder folgen keiner vorgegebenen Wirklichkeit, sondern nur bildlichen Vorstellungen, dabei möchte ich in meiner Malerei die Freiheit des Handelns haben. Ich möchte nicht, dass meine Bilder und ihre Interpretationen von vornherein eindeutig sind. Das Bild muss so offen sein, dass der Betrachter seine eigene Interpretation findet."

 

 

Sigita Laubengaier präsentiert in der ersten Ausstellung am Kelterberg nach den Sommerferien ihre Bildserie „Heimsuchungen“. Mit der Ausstellung „Heimsuchungen“ ist die Vielfalt der Bedeutung des Begriffs angesprochen, die offen lässt, ob es sich um einen aktiven der passiven Vorgang handelt: man kann ein Heim suchen, sich ein Zuhause schaffen oder auch heimgesucht werden. „Heimsuchung“ ist auch eine schicksalhafte Bedrohung, eine Urgewalt der nichts entgegengesetzt werden kann. 


Auf vorwiegend großen Formaten zeigt sie, was das „Kunstlabor“ an Strukturen und topografischen Vernetzungen unter Anwendung verschiedener Techniken und Materialien hervorbringen kann. Dabei ist der Zufall das wesentliche Prinzip der Kunstgestaltung. Es dominieren Schwarz-Weiß, Hell-Dunkel-Kontraste. Die durch den technischen Herstellungsprozess teilweise morbide, verwaschen, unwirklich, militant befallen wirkende Strukturen können als Gesellschaftszustand interpretiert werden. 


Nicht selten reflektieren die Bilder von Sigita Laubengaier eine leichte Melancholie, die an ihre osteuropäische Herkunft und Kultur erinnert. Lichtschleier überfluten ihre Bilder so, als ob sie gerade aus dem Nebel hervortreten wollten und uns die Zerbrechlichkeit des Jetzt entgegenhalten.

 

Anspielungen auf Vertrautes, Wissen und Bedeutungen überziehen ihre Arbeiten. Die dünne helle Farbigkeit in Ihren Werken ist das Ergebnis von Schichten und Liniengefügen, die sich überlagern. Die Gegenständlichkeit verwebt sich mit einer Fülle anschmiegender Linien und Farbzonen.

 

Aufquellende Formen führen zu einem hybriden, sich kreuzenden Verschnitt zwischen figurativ- abstrakt und informell.Sie arbeitet frei von allen Regeln unter Verwendung der unterschiedlichsten Materialien, sodass ihre Bilder oft einen Reliefcharakter aufweisen. Dennoch verzichtet sie nicht darauf, ihre Bildflächen zu organisieren und klare Grenzen zu setzen. Sigita Laubengaier ist eine Künstlerin, die sich Aufmerksamkeit durch ihre Sensibilität verschafft.