Klaus-Dieter Jaensch

Manfred Unterweger (Undi +i)

Marcelino Varas

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Bilder von der Vernissage:

Es gibt sie noch – oder wieder: die kritische, politische, die engagierte Kunst. Die Vaihinger Kultur am Kelterberg hat sich ein neues Ausstellungskonzept ausgedacht. Unter dem Leitwort und Reizwort „Altlast“ zeigen der Fotograf Klaus-Dieter Jaensch, der Installations- und Objektkünstler Manfred Unterweger und der Maler Marcelino Varas, was sie dazu ersonnen und geschaffen haben. Vor Kurzem eröffnete Harald Marquardt in der überfüllten Galerie die eindrückliche und spannende Ausstellung des Mitglieder-Trios. „Ein Thema, drei Künstler, drei Räume, drei Positionen“, das war für den gastgebenden Vorsitzenden Harald Marquardt die Idee, mit der die Kultur am Kelterberg ihre Mitglieder um gemeinsame Bewerbungen bat. Weil das alles neu war, hatte sich das Projekt ein wenig verzögert. Dieses Ergebnis aber kann sich nicht nur sehen lassen. Es überzeugt.

 

Mit Altlasten verbindet der Fotograf Klaus-Dieter Jaensch auch die oft nur hässlichen Hinterlassenschaften einer krankenden Wegwerfgesellschaft. Er dokumentiert auch in karg melancholischem Schwarzweiß das Sterben, das unvermeidliche Hinscheiden wichtiger Dinge des Alltags und der Kultur: Holzschiffe etwa, zu Skeletten verfallend, Gebäude, sehr pittoresk. Dem Müll hingegen, den zerknüllten Dosen, den rostenden Kronkorken oder den verrottenden Landmaschinen, mischt Jaensch mit Photoshop Farbe bei, gelegentlich sogar grell. Ein Rest oder ein Kern von trauriger Schönheit bleibt beiden.

 

Es gibt in dieser Ausstellung ein zentrales Werk, vor dem die meisten der vielen Besucher lange und sichtlich betroffen standen, lesend, schweigend. Mit seinen „Last Statements From The Death Row“ protestiert Manfred Unterweger in stiller Wucht gegen eine barbarische Altlast der Zivilisation: die Todesstrafe. Auf einem Gitter von elektrisch verbundenen Drähten hat er in 32 transparenten Blättern die letzten Worte von amerikanischen Todeskandidaten dokumentiert. Das sind erschütternde Testamente von reuigen Mördern, gefassten und geläuterten Todgeweihten oder leise wie verzweifelt schrille Schreie nach Recht und Gerechtigkeit von vielleicht Unschuldigen.

Kaum weniger bedrückend sind Unterwegers Arbeiten über China, wo die tagtäglichen Hinrichtungen per Genickschuss Abschreckung und Volksspektakel zugleich sein sollen. „Brot und Spiele“ heißt eine Collage im Zusammenhang mit Olympia. Einen anderen Atavismus prangert der Künstler eher leichthändig an. Die infantil anmutende amerikanische Vernarrtheit in Waffen führt er mit einem Revolver vor, der aus lauter bunten Gummibärchen zusammengesetzt ist.

 

Mehr spielerisch, aber auch rätselhaft symbolischer geht Maler Marcelino Varas das Thema Altlasten an. Seine in fast fotorealistischer Präzision gemalten Acrylbilder haben hinter ihrer fein bis farbstark abgewogenen Balance ein Moment von surrealistischem Witz. „Die triviale Maschine“ etwa steht gewiss in der Tradition eine s Max Ernst oder eines Magritte. Und sie äußert die Sorge um die fortschreitende Zerstörung der menschlichen Lebensgrundlagen doch mit tiefem Ernst. (Martin Bernklau, Stuttgarter Zeitung)