Hans-Peter Lübke: FORT- BEWEGUNG- HIN

 

Radierungen + Objekte – 11.10. - 2.11.2014
(Fr/Sa/So 15 - 18 Uhr)

Exponate und Bilder der Vernissage

Auf der Suche nach dem Freund aus Kindertagen

(Sabine Schwieder / Stuttgarter Zeitung)

 

Einen etwas sperrigen Titel hat der Künstler Hans-Peter Lübke für seine Ausstellung in den Räumen des Vereins Kultur am Kelterberg gewählt, die derzeit in Vaihingen zu sehen ist: „Fort – Bewegung – Hin“. Auch der Untertitel „Vieldeutigkeit im Formalen und Mehrdeutigkeit im Inhaltlichen“ erhellt die Intentionen des Künstlers nicht auf den ersten Blick. Ein Blick auf die Biografie des 1960 in Windhoek (Namibia) als Sohn eines Missionars geborenen Künstlers hilft da schon eher weiter. Mit den im Tiefdruckverfahren hergestellten Grafiken und den afrikanisch anmutenden Plastiken sind zwei unterschiedliche Kulturen vereint, denen sich Hans-Peter Lübke verbunden fühlt.

 

Erinnerungen an seine Kindheit, die Lübke bis zu seinem zehnten Lebensjahr in Namibia verbrachte, stecken auch in einem kleinen Schwarz-Weiß-Foto, das lose in die Ecke eines Ausstellungsraumes gepinnt ist. Es bildet den Ausgangspunkt für einen Dokumentarfilm, an dem er derzeit arbeitet. Zu sehen sind ein weißer und ein schwarzer Junge, die Arme umeinander gelegt. Das Foto zeigt den kleinen Hans-Peter und einen Jungen namens Paul. In den vergangenen Jahren reiste der Künstler mehrfach nach Namibia, um seinen damaligen Freund nach 50 Jahren wieder aufzuspüren. Mit einem Dokumentarfilm soll von dieser Suche berichtet werden. Die Dreharbeiten sind mittlerweile beendet, für die teure Postproduktion möchte Lübke Abzüge des in Vaihingen gezeigten Fotos für jeweils 50 Euro verkaufen – gegen eine dankende Erwähnung im Abspann.

 

Thematisch geht es um den Aspekt der Fortbewegung

In erster Linie aber werden in Vaihingen im Tiefdruckverfahren hergestellte Grafiken gezeigt. Thematisch geht es überwiegend um den Aspekt der Fortbewegung: „Wir bewegen uns von einem Ort weg, aber interessant ist ja auch: Wo gehen wir hin?“, erläutert der Künstler. Deutlich wird dies ebenso an Plastiken wie den in verschiedenen Varianten gezeigten Schlitten oder einem im Vorraum ausgestellten großen Kreisel.

 

Was im Fall des „Speerpaddels“ wie ein leichtes Holz, im Fall der Schlitten oder des überdimensionalen Kreisels wie schwere Bronze aussieht, ist ganz einfach Wellpappe, die von Büttenpapier überzogen ist. Durch die abschließende Bearbeitung mit Bitumen, einem klebrigen, abdichtenden Abdecklack, erscheinen unterschiedlich dunkle Farbtöne. „Ich arbeite gerne auf diese Weise, weil das eine lautlose Tätigkeit ist“, erläutert Lübke. „Durch die Farben wirkt das für viele sehr afrikanisch, aber das war nicht in erster Linie beabsichtigt“, sagt der Künstler.

 

Transportiert wurde Spielzeug und Nahrungsmittel

Die Schlitten haben aber sehr wohl einen afrikanischen Hintergrund: „Als kleine Kinder haben wir alle aus Pappschachteln Schlitten gebaut, Holzkufen drangemacht und sie hinter uns hergezogen“, erinnert sich Lübke. Transportiert wurde nicht nur Spielzeug, sondern auch Nahrungsmittel wie die süßlichen Prosopis-Schoten.