Die Preisträgerinnen
des Otto F. Scharr-Kunstpreises 2017

Preis des Publikums 2017:
Marion Musch – »Art lovers heat«

Ein partizipatorisches Objekt zur Aufzeichnung einer Wärmegrafik durch die Ausstellungsbesucher.

1. Preis der Jury: Elena Schmidt – »Heinz und Käthe«

»Heinz und Käthe« – schon der Titel des Kunstwerks von Elena Schmidt erzeugt ein wohlwollend schmunzelndes Gefühl. Dieses Gefühl setzt sich in jeder Phase beim Ansehen der Arbeit fort und entwickelt sich so unmerklich
zu einer behaglichen Wärme. Das Glück des dargestellten Paares mit seiner scheinbar kindlich herzenden Nähe überträgt sich mit zunehmender Ver- weildauer bei der Betrachtung des Bildes. Sympathie und ein sanfte Zu-neigung zu dem Paar entsteht.

 

Der Künstlerin ist es gelungen in einer leisen unaufgeregten Bildsprache das Thema »menschliche Zuneigung und Wärme« mit artistischen Mitteln so zu transportieren, dass ohne viel Überflüssiges eine Symbiose entsteht, in der sich weder Farbigkeit noch Materialität selbstgefällig in den Vordergrund spielen. 

 

Manfred Bodenhöfer / Juror

2. Preis der Jury: Ingrid Schütz – »Kalte Wärme«

 

Welche Bilder erwarten wir bei dem Wort »Wärme«?

Sonne, Rot, Orange, Gelb, Feuer, Behaglichkeit. Nichts davon findet sich in der Fotoserie von Ingrid Schütz.

 

Auf den ersten Blick: Kälte, Unbehagen, Schwarzweißes.

                         

Und dann der zweite Blick: ein Handy, ein kaum erkennbarer
junger Mensch. Kommunikation, Austausch von Belanglosem und Wichtigem, eine Suche nach Nähe, nach menschlicher Wärme. Wie stark verdrängt dieser digitale Ersatz das physische Zusammensein; bleibt das Letztere eine nostalgische Erinnerung oder ist das Netz- werk wirklich sozial, eine Erweiterung?

 

Und der Mond. Kalt? Doch wann sehen wir ihn - in romantischer Sommernacht; im warmen Bett, wenn wir nicht schlafen können, weil er hell ist wie die Mittagssonne. Und das Meer: Inbegriff von Gefahr, Kälte hier und Hitze, Sand dort. Ein Sehnsuchtsort.

 

Die scheinbare Umkehrung unserer Erwartung an das Thema
ist der Verdienst dieser Arbeit. Dass sie uns die Wärme nicht eindimensional vorsetzt, sondern zum Nachdenken zwingt.

 

Jim Zimmermann / Juror

3. Preis der Jury: Sandra Fritz – »Wärme«

 

Die Arbeit »Wärme« von Sandra Fritz visualisiert das Thema der Ausschreibung auf humorvolle, zugleich aber mehrdeutige und offene Art und Weise. Auf den ersten Blick schrammt sie sehr eng am Kitsch vorbei, eine Handtasche, rosa/weiß, daran befestigt, quasi eingesteckt, ein Fön, umwickelt mit schwarzer Wolle. Allein die Materialien, das Wollige und Plüschige, strahlen Wärme aus, das Rosa erscheint warm und anheimelnd. Aber warum ein Fön an der Handtasche? Brauchen wir neben unserem Coffee-to-go auch einen Fön-to-go? Ist es so kalt und nass um uns herum oder sind wir gar so unbehaust, dass wir eine mobile Wärmequelle benötigen? Friert sogar der Fön oder warum ist er selbst ebenfalls so warm verpackt. Und schließlich stellt sich auch die Frage: Kaufen wir uns die Welt eigent-lich schön? Kuscheln wir uns biedermeierlich ein und be- -stücken sie mit Accessoires der Wärme, anstatt sie selbst wärmer zu gestalten? Fragen über Fragen ergeben sich aus dieser Arbeit, sie kann uns zum Überdenken von Konsum und Politik, von Selbstoptimierung und Gesellschaft, von Zeichen der Weiblichkeit, Kitsch und Klischees verführen und das auf unaufdringliche, freundliche und durchaus augenzwinkernde Art. 

 

Christiane von Seebach / Jurorin

Die Exponate der Ausstellung

Die Vernissage

Finissage

Ausstellungskatalog »WÄRME«
 

Der gedruckte Katalog ist für 10 EURO
während der Öffnungszeiten der Galerie erhältlich.

Katalog zur Ansicht herunterladen
web_katalog_wärme_2017.pdf
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