DIE PREISTRÄGERINNEN 

DES OTTO F. SCHARR-KUNSTPREISES 2019

 

 Rainer Otto F. Scharr von der Otto F. Scharr-Stiftung, Birgit Feil (2. Preis), Ingrid Schütz 

(1. Preis) Ute Haselmaier (3. Preis), MarquardtHarald, Vorsitzender von Kultur Am Kelterberg Vaihingen e.V., Foto: Jörg Huber

 

1. Preis

 

Ingrid Schütz 

Kultur Am Kelterberg Vaihingen, Gedok Stuttgart,  

 

»Sehen wir uns wieder?«

 

Ingrid Schütz zeigt acht Fotos mit Impressionen von italienischen Friedhöfen. Die Details der jungen Gesichter von verstorbenen Frauen sind über Blumen auf dem Grab hinweg fotografiert und erscheinen unscharf und vage.
Die Wiederholung einzelner Bildausschnitte und ihre Variation lassen die sehnsuchtsvoll, leicht zum Himmel gerichteten Blicke konzentrierter und eindringlicher wirken.

 

Sehnsucht nach Veränderung der erfahrenen Lebenswirklichkeit ist das Urmotiv aller menschlicher Utopien. Wer die irdischen Verhältnisse als unzureichend erlebt, ist offen unterschiedliche Ansätze der Überwindung
zu denken.

 

Vor allem aus dem Schmerz des Verlustes geliebter Menschen interpretiert Schütz die Welt als den endlichen Ort des verlorenen Paradieses. Die Titel- frage bekräftigt die Hoffnung auf ein mögliches Wiedersehen jenseits der Schwelle des Todes.

 

Judith Welsch-Körntgen
Jury-Mitglied

2. Preis

 

Birgit Feil

Kultur Am Kelterberg Vaihingen

 

»Eva und Adam«

 

 

In ihrer Paar-Skulptur konzentriert sich Birgit Feil auf den Kern der biblischen Sündenfall-Geschichte, mit der traditionell die Deutung der Geschlechter-Rollen und die Verurteilung besonders der Schwäche (Sündhaftigkeit) der Frau verbunden ist. Das erste Menschenpaar setzt sich hochmütig über Gottes Verbot hinweg, Früchte vom Baum der Erkenntnis zu essen, wird von Gott aus dem Garten Eden verbannt und in die Welt mit all ihren Herausforderungen entlassen.

 

Jenseits dieser Ursituation haben Mann und Frau heute einander den Rücken zugewandt. Das Feigenblatt der abendländischen Kunst als Ausdruck für die demütigende Erkenntnis nackt zu sein, verwandelt die Bildhauerin ironisch in ein Handtuch mit exotischem Blumendekor. Das Menschenpaar hält sich nicht mit Trauer über das Verlorene auf, auch nicht mit der Sehnsucht nach dem Paradies, gönnt sich stattdessen regelmäßig einen Kurzurlaub am Hotel-Pool?

 

»Adam« hat gesenkten Blickes und wie trotzig die Arme vor der Brust verschränkt und verharrt in Reglosigkeit. Die Ahnfrau des weiblichen Geschlechts sieht dagegen entspannt und mit offenem Blick in die Welt. Eben Eva und Adam, nicht umgekehrt …

 

Judith Welsch-Körntgen
Jury-Mitglied

 

3. Preis

 

Ute Haselmaier

Kultur Am Kelterberg Vaihingen

 

»Homage an die Biene … 

wo Milch und Honig fließen«

 

 

 

An vielen Stellen der Schriften des Alten Testamentes ist von der Sehnsucht nach einem Land, wo »Milch und Honig fließen«, die Rede, in dem es dem Menschen und seinen Tieren an nichts mangelt. Der Biene als Erzeugerin des Honigs und als Pflanzenbestäuberin kommt tatsächlich, wie wir heute wissen, im Ökosystem der Erde eine zentrale Rolle zu.

 

Die Sorge um das geheimnisvolle Artensterben mag ein Leitgedanke der sechsteiligen Arbeit von Ute Haselmaier sein, die mit duftendem Wachs, Honig, Blütenbestandteilen sowie der leitmotivisch wiederkehrenden Struktur der Bienenwaben ihre Collagen auf je drei quadratischen und drei hoch-rechteckigen »Bildern« gestaltet. Übergreifend ist als Leitfarbe ein leuchtendes Gelb verwendet, was im Kontrast zu Braun-Schwarz und Weiß einen warnenden Charakter annimmt. Aus dem Untergrund scheinen endlose Reihen von geheimnisvollen Zahl-Buchstaben-Kombinationen auf. Vielleicht eine Andeutung der bewunderten, weil als vollkommen geltenden Organisation der Welt eines Bienenvolks, die eine Ahnung von der Schönheit und Vollkommenheit des Paradieses geben könnte. Ein Hauch der Trauer über den befürchteten Verlust liegt über den sechs Täfelchen, die den Bienen, und damit einem wichtigen Bestandteil der Schöpfung, ein Denkmal setzen.

 

Judith Welsch-Körntgen
Jury-Mitglied

Bilder der Vernissage

 

Fotos: Wolfgang Melzer, Géza Spiegel

 

 

Exponate der Ausstellung

 

Fotos: Ursula Donn, Birgit Feil, Rose Fiedler, Susanne Freiler-Höllinger, Susanne Gayer,

Tanja Ganzer, Tim Stefan Heger, MarquardtHarald, Ute Haselmaier, Peter Haußmann, Oliver Herrmann, Annette Holderried, Jochen Klein, Birgit Krins-Gudat, Sibylle Möndel,

Marlis G. Schill, Elena Schmidt, Ingrid Schütz, Géza Spiegel, Sabine Sulz, Manfred Unterweger

 

 

Bilder der Finissage –

Gespräche mit den beteiligten KünstlerInnen

 

Fotos: Géza Spiegel

 

 

Juryentscheidung

zum Otto F. Scharr-Kunstpreis 2019 - „PARADIES?“ 

 

Ausstellung vom 27. Januar bis 24. Februar 2019

 

Die Jury:

Judith Welsch-Körntgen, Kunsthistorikerin, Stuttgart

Veit Heller, Maler, Sindelfingen

Christoph Traub, Bildhauer, Schorndorf

 

Die Jury hat am Samstag 15.12. 2018 getagt und die folgende Auswahl getroffen: Für die Themenausstellung „PARADIES?“ sind folgende
42 Künstlerinnen und Künstler und deren Arbeiten ausgewählt worden:

 

  1. Baur, Bettina                                 „Wenn es grün wird“
  2. Bunzel, Regina                              „So wie ich das sehe“
  3. Donn, Ursula                                 „Mama, wo hat die Welt den Kopf?“
  4. Feil, Birgit                                      „Eva und Adam“
  5. Fiedler, Rose                                 „Auslaufmodell“
  6. Freiler-Höllinger Susanne            „DEVELOPMENT/Entwicklung“
  7. Gayer, Susanne                             „o.T.-Eva“
  8. Göltenboth, Anna                          „Paradies, bist du es wirklich?“
  9. Groß, Joachim                               „Idared oder Paradeiser“
  10. Haselmaier, Ute                             „Homage an die Biene...
                                                            wo Milch und Honig  fließt“
  11. Hattwig-Feller, Carola                   „Kakadu“
  12. Haußmann, Peter                          „Gestern, heute, morgen“
  13. Heger, Tim Stefan                         „o.T.“
  14. Herrmann, Oliver                           „Tankstelle“
  15. Holderried, Annette                       „Das erarbeitete Paradies-Felder“
  16. Idler, Veronika                                „Lost paradise“
  17. Koch, Inge                                      „Das geordnete Paradies, ​das ungeordnete
                                                            Paradies“
  18. Krins-Gudat, Birgit                       „Integration“
  19. Lakner, Susanna                           „Das Paradiese, das sind die Anderen
  20. Lenz, Silia                                      „Paradebeispiel“
  21. MarquardtHarald                           „Über die Schwelle ins kleine Paradies“
  22. Möndel, Sibylle                             “Waldstück 201777“
  23. Otte, Patricia                                  „Entrance to paradise“
  24. Pauly, Helga                                   „Grenzenlos“
  25. Schill, Marlis G                              „Paradise Lost“
  26. Schindlbeck, Hiltrud                     „o.T.“
  27. Schmidt, Elena                              „let’s play together“
  28. Schütz, Ingrid                                „Sehen wir uns wieder?“
  29. Selten, Tanja                                  „Paradies“
  30. Serway, Hanni                                „Rückkehr ins Paradies“
  31. Sharma-Weigold, Alix                   „Paradies?“
  32. Söller, Christoph                            „Verbotene Frucht“
  33. Spiegel, Géza                                 „Zum Paradies?
  34. Strohm, Claudia                             „o.T.“
  35. Sulz, Sabine                                   „Farbfächer einer Pflanze“
  36. Ulrich, Carmen                               „The same for every one“
  37. Unterweger, Manfred (UNDI +i)     "Befragt  nach dem Ort, der ihrer
                                                              Vorstellung vom Paradies am…“
  38. Wenz, Julia                                      „eyecandy“
  39. Wolf-Ostermann, Susanne            „Paradiesvögel“ 
  40. Wolffhugel, Glencora                     „ohne Erde“
  41. Wyderka, Bettina                            „Paradise“
  42. Zizmann, Brigitte                            „Das Paradies suchen und finden?“

 

Wir gratulieren den 42 Künstlerinnen und Künstlern, die in die Ausstellung aufgenommen wurden und  bedanken uns herzlich bei allen 78 Künstlerinnen und Künstlern, für die eingereichten Arbeiten.

 

Ausstellungskatalog

»PARADIES?«
 

Der gedruckte Katalog ist für
5 EURO während der Öffnungszeiten der Galerie erhältlich.